Grundsätzlich kann man zwei Wege gehen: Filmschulen oder
Praxis. Abgesehen davon ist das Abitur keine Garantie auf den Filmschulen
auch angenommen zu werden. Andererseits ist es durchaus hilfreich, sich
für den Regiejob viel Wissen auch in Kunst, Geschichte, Philosophie oder
Deutsch anzueignen. Regieassistenzen am Theater sind auch nicht schlecht.
Movie-College-Team
Am besten ist wohl die Methode, sich langsam hoch zu arbeiten, am
besten durch alle Abteilungen hindurch, damit du möglichst viele
Erfahrungen sammeln kannst.
Mein Tipp: Willst Du so schnell wie möglich selbst Regie führen, dann
wende dich einfach mal an die Offenen
Kanäle, die nehmen erfahrungsgemäß auch Leute ohne besondere
Erfahrung oder Ausbildung. Aber, damit wir uns nicht falsch verstehen:
Filme wie „Saving Private Ryan“ oder „Titanic“ kannst du dann noch
nicht drehen!
Das ist ein ernstes Problem bei der Regie-Ausbildung. Die Festlegung
und Teilung verschiedener Bereiche bei der Regie ist nur bedingt sinnvoll.
Alle Filmhochschulen in Deutschland verlangen gleich bei der Bewerbung
eine Entscheidung, in welche Abteilung (Doku, Spiel, Produktion, Kamera)
man gehen möchte. Wir halten zum Beispiel eine Dokumentar-Ausbildung für
eine wichtige Grundlage für gute Spielfilmarbeit.
Gerade wenn man jung ist, verfügt man nicht über genügend
Lebenserfahrung, um aus dem Bauch heraus, Geschichten über das Leben zu
schreiben oder umzusetzen. Wenn man aber die journalistischen Techniken,
Recherche etc. gelernt hat, kann man sich aus der Realität den nötigen
Background erarbeiten, um eine realistische, klischeefreie Umsetzung eines
Themas zustande zu bringen. So haben etwa viele deutsche
Spielfilmregisseure oder auch Kameramänner die Dokumentarabteilung der
Münchner Filmhochschule besucht. Wer in den Spielfilmabteilungen der
Filmhochschulen (München, Berlin, Ludwigsburg) studiert, sollte auf jeden
Fall Wert darauf legen, etwas über Recherche und Dokumentarfilm zu
lernen. In wenigen Ausnahmefällen sind auch Wechsel während des Studiums
möglich, es ist aber sehr kompliziert.
Um Werbung zu drehen, sind vor allem technische und tricktechnische
Kenntnisse gefragt. Ein Regiestudium ist sicher eine gute Grundlage. Die
Filmschule in Ludwigsburg ist besonders auf Trick spezialisiert, wenn
Werbung das Ziel ist, wäre diese Schule besonders interessant. Die drei
vorgenannten Schulen sind staatlich, das heißt das Studium ist
kostenfrei.
Dokumentarfilm und die benachbarten Gebiete wie
Filmjournalismus, Feature etc. lernt man ziemlich gut an den Filmschulen.
Ziemlich gut ist die Münchner Dokumentarabteilung der HFF, dort kann man
ohne größere Probleme sogar Spielfilmformen erproben. Man lernt auch
alles über die Doku-Klassiker, was sehr wichtig ist, weil die Kultur des
Dokumentarfilms früher sehr hoch war. Die Basisausbildung Technik und was
Dich speziell interessiert, die Kamera macht man dort auch sehr intensiv.
Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass viele Dokumentarfilmer bei
ihren Filmen die Kamera selbst führen. Man kann also beides gleichzeitig!
Praktika bei Sendern bringen für die Ausbildung selbst recht wenig,
lesen sich aber meist ganz gut in der Vita. Besser: Will man praktische
Erfahrung beim Drehen machen, sind Dokumentar-Produktionen sinnvoller.
Doch Vorsicht, die Doku-Gemeinde ist recht diffus, da sollte man die Augen
aufhalten nach Firmen, die sich durch Qualität einen Namen gemacht haben.
Z.B. Denkmal-Film in München oder Lichtblick in Köln.
Was Mediengestalter und Kamera angeht, so sind das nach
unserer Erfahrung zwei ganz unterschiedliche Wege. Mediengestalter ist
noch sehr schwammig, die Bandbreite reicht von Fantasiegebilde der
Arbeitsämter bis zu relativ solider Wissensvermittlung. Aber zur Kamera
kommt man so nicht!
Der klassische Weg ist die Kameraassistenz bei Projekten, man kann sich
auch über Beleuchtung dort hinarbeiten. Es gibt aber auch Fachschulen
sowie an den Filmhochschulen (z. B. München) kleinere Kameraklassen.
Ob man noch auf richtigem Film arbeiten kann kommt ganz darauf an, in
welcher Firma man die Ausbildung macht. Öffentlich rechtliche Sender
z. B. produzieren Ihre Serien (Tatort, Polizeiruf, etc.) teilweise
noch auf Film. Wer nach der Ausbildung im Kamerabereich angestellt wird,
hat eventuell die Möglichkeit, über Materialassistenz in den Filmbereich
zu kommen. Der klassischere Weg geht jedoch über Praktika. Problem dabei
ist nur, dass man entweder einen Finanzier oder einen Lottogewinn haben
muss, um diesen Weg zu beschreiten...
Probleme wegen Sehschwäche: Solange wir von ganz normalen
Sehkorrekturen wie 1,5 Dioptrien sprechen, gibt es überhaupt keinen
Anlass, am Berufswunsch zu rütteln. Profikameras beim Film etwa haben
Sucherlupen, bei denen sich die Dioptrien direkt mit einem Rädchen
einstellen lassen, und wenn, wie bei Studiokameras mit einem
Kontrollscreen geschwenkt wird, dann schaut man da mit Brille oder
Kontaktlinsen drauf. Schwierigkeiten machen nur richtige Sehfehler wie
Farbenblindheit oder wenn durch extrem dicke Brillengläser das Sehfeld
stark eingeschränkt wird.
Ich würde Dir empfehlen zuerst einmal ein Praktikum in
einer Filmproduktionsfirma, im Sender bzw. in einer größeren
Werbeagentur zu machen. Dort gewinnst Du einen genaueren Eindruck, was
heutzutage alles im Bereich Film möglich ist. Zudem kannst Du dort viele
Kontakte knüpfen und Leute kennen, die schon etwas länger mit Film zu
tun haben. Vorab aber: es ist nicht leicht ein Praktikum zu bekommen, du
solltest aber hartnäckig bleiben und möglichst viele (wirklich viele!)
Bewerbungen schreiben... Der Beruf an sich hört sich sehr verlockend an,
jedoch gibt es auch Alternativen, die du dort sicherlich kennen lernen
wirst! Wenn du direkt auf der Suche nach so einer Ausbildung bist, dafür
gibt es Webseiten wie: crewunited.de,
dubbing.de, ihk.de
(Industrie und Handelskammer)
Das mit dem Englisch ist nur insofern wichtig, weil die meisten
Programme bzw. Geräte englisch beschrieben sind.
Tontechnik für Film lernt man vorzugsweise in der Praxis.
Es ist ein Handwerk und benötigt vor allem Erfahrung und natürlich ein
gutes Gehör und Musikalität. Für eine „amtliche“ Ausbildung haben
wir hier einige Adressen:
Studium
HDK Berlin
(Fasanstr. 1, 10623 Berlin, Tel.: (030) 3185-0)
Maske und Ausstattung sind zwei völlig verschiedene Dinge!
Handwerkliche Begabung deutet nicht wirklich auf Maske hin. Für Maske
sind Ausbildungswege wie Friseurlehre und anschließend 2-3 Jahre
Volontariat an einem Theater nicht unüblich. Es gibt daneben auch noch
ein Studium in Dresden für Maske ( www.hfbk-dresden.de).
Die Einschätzung dass ein 4-Tage-Kurs wenig bringt ist übrigens absolut
richtig.
Versuche es doch über die Praxis in Richtung Requisite/Ausstattung.
Um ein paar wenig oder nicht bezahlte Praktika kommt man nicht herum. Aber
gerade im Bereich Requisite ist man auch relativ schnell drin. Ist aber
anstrengend und selten mit 8-Stunden-Tagen verbunden.
Auch ein Weg zum Film: Script oder Schnittassistenz. Vielleicht
solltest du versuchen, mehr über die verschiedenen Arbeitsbereiche
herauszufinden. Wenn dann absolut klar ist, was Du mal machen willst,
lässt sich der Weg auch besser ausloten. Im Saarland gibt es übrigens
auch ein Filmbüro. Vielleicht haben die Ideen.
Es gibt es noch keinen einheitlichen Ausbildungsweg für
Continuity. Das Kölner Filmhaus bietet ein zweitägiges Seminar zum
Berufsbild „Continuity“ an (ca. 350 DM). Nähere Infos bekommst du
unter www.koelner-filmhaus.de.
Aber hier ist es im Grunde besser, du suchst die Praxis bei
Filmproduktionen. Studentenfilme oder andere Low-Budget-Produktionen
suchen immer wieder Script/Anschluss. Auch denke ich, wäre es sinnvoll,
ein Praktikum als Schnittassistent/in zu absolvieren oder zumindest den
Leuten im Schneideraum über die Schulter zu sehen – hilft besonders
beim Erstellen des Cutterberichtes.
Stenn
Ein Praktikum bei einer Filmproduktion ist mit Sicherheit ein guter und
sinnvoller Weg, diesem Beruf näher zu kommen. Allerdings habe ich im
Laufe meiner mehrjährigen Praxis in der Continuity und auch als
Regieassistentin die Erfahrung gemacht, dass der allgegenwärtige
Zeitdruck, unter dem heute die meisten TV- aber auch Kino-Produktionen
entstehen, einer wirklich fundierten Ausbildung des Nachwuchses oft im
Wege steht. Auch einige Kolleginnen und Kollegen haben mir bestätigt,
dass sie es während der Dreharbeiten einfach nicht schaffen, genau zu
erklären und zu begründen, warum sie eine Sache nun so und nicht anders
machen, warum sie welche Prioritäten setzen, warum ein Achssprung in
einer bestimmten Situation funktioniert, wie man ein Drehverhältnis
ausrechnet, eine Hochrechnung über die Filmlänge erstellt etc. etc. etc.
... Wir werden ja nicht primär als Ausbilder für den Nachwuchs
engagiert, sondern vor allem für den Anschluss oder eben als
Regieassistent/In. Viel Freiraum bleibt einem da nicht, denn die Drehzeit
ist, wie gesagt, knapp bemessen.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Praktikanten werden zu oft als
Mädchen für alles engagiert. Sie müssen Kaffee kochen,
Schauspielerfahrdienste und Botengänge übernehmen, als Absperrer
herhalten oder Einkäufe machen. Ohne Zweifel bringt einem das
Set-Erfahrung, und die soll man nicht unterschätzen, aber auf die Dauer
ist das kein Ersatz für Ausbildung. Die Teilnehmer des Seminars im
Kölner Filmhaus, von denen übrigens viele bereits ein Praktikum
absolviert, einige sogar schon als Script gearbeitet hatten, bestätigten
mir nach zwei Seminar-Tagen, dass ihnen die ausführliche Darstellung der
Aufgaben von Anschluss und Script sehr wohl eine Menge gebracht hätte.
Natürlich ist ein einzelnes Seminar nicht mit Berufsausbildung
gleichzusetzen. Als Teil der Ausbildung, zum Beispiel und in Ergänzung zu
einem Praktikum am Set oder im Schneideraum, ist es aber in jedem Fall von
Nutzen.
Franziska (Dozentin des Filmhaus-Seminars)
...Film-Handwerker: Baubühne und Ausstattung
Wer eine Schreinerausbildung macht und zum Film will, für
den wäre ein sehr naheliegender Bereich beim Film die so genannte
Baubühne. Beim Film werden sehr häufig Kulissen, Bauten aller Art
benötigt, es gibt sogar Betriebe, die im Auftrag der Ausstatter oder
Requisiteure Dinge Anfertigen. Das können irgendwelche Vorbauten sein,
mit denen man etwa in einem Raum aus einer Balkontür ein einfaches
Fenster werden lässt, oder der komplette Nachbau einer mittelalterlichen
Werkstatt oder ein Baumhaus oder eine Hundehütte etc. Oft müssen auch
auch irgendwelche modernen Dinge kaschiert werden. In historischen Filmen
müssen die heute auch an alten Gebäuden üblichen Regenrinnen z. B.
durch Holzblenden verdeckt werden.
Wichtig ist vor allem viel Fantasie und Improvisationsgabe. Um in den
Job reinzukommen, sollte man vielleicht erst einmal bei
Nachwuchs-Projekten Anschluss suchen (z. B. im New Talent-Bereich).
Vielleicht sucht ja jemand in Deiner Nähe Hilfe für seinen nächsten
Kurzfilm! Oder man versucht bei Baubühnen-Firmen einen Job zu bekommen.
Es ist auf jeden Fall ein spannender Arbeitsbereich. Darüber hinaus sind
natürlich auch mit wachsender Erfahrung andere Bereiche wie Requisite
oder Ausstattung etc. denkbar. Für den Beruf Ausstattung wäre
Innenarchitektur, Geschichte etc. Voraussetzung. Wer in diese Richtung
will muss etwas entsprechendes lernen.
Die meisten Filmkomponisten haben nicht speziell Filmmusik
studiert. Mit spezialisierten Studiengängen Filmmusik ist Deutschland
auch nicht allzu reich gesegnet. Man kann an der Musikhochschule München
(Robert Schneider) Filmmusik studieren. Darüber hinaus bietet auch die
Filmhochschule Ludwigsburg Filmmusik als Studienzweig an, mit dem nicht zu
unterschätzenden Vorteil, dass hier auch die technisch-gestalterischen
Aspekte des Films (nicht unwichtig für Filmmusik) intensiv vermittelt
werden.
Außerdem kann man versuchen, bei einem arrivierten
Filmmusik-Komponisten eine Art Hospitanz zu machen. Es gibt auch
Kurzseminare über Filmmusik etwa an der Sommerakademie Gauting (EEFF).
Wichtig ist aber in jedem Fall Begabung, und der Wille, auch sich selbst
über die entsprechenden Recherchen und Kontakte das Handwerkszeug zu
organisieren, welches für diesen Berufszweig erforderlich ist.
Der Hinweis auf Grafik-Design würde Ludwigsburg zur ersten
Wahl machen, weil dort besonderes Augenmerk auf Filmtricks und Bearbeitung
auf Workstations gelegt wird. Dann gibt es auch noch die German
Filmschool in Elstal (12 km westlich von Berlin). Die monatlichen
Gebühren allerdings sind ebenfalls sehr hoch. Siehe
auch Schulen: German Film School.
In den USA gibt es einige ebenfalls auf diesen Bereich spezialisierte
Universitäten, die Kosten dort (Studiengebühren) sind allerdings heftig
und nicht Jedermanns Sache.
Es gibt verdammt viele Schauspieler, darunter auch einige,
die nie eine Schauspielschule besucht haben. Besonders Seifenopern, die
Herz und Schmerz-Geschichten verbreiten, engagieren häufig Schauspieler
ohne Ausbildung, die daraus resultierende nicht selten unprofessionelle
Darstellung wird bewusst als besonderer Stil akzeptiert. Solange man als
Type weitgehend sich selbst darstellt, kann das relativ gut gehen.
Schwieriger wird es, anspruchsvolle Rollen umzusetzen. Es gibt allerdings
nur ganz wenige Ausnahmen, wo Schauspieler ohne Ausbildung wirklich
herausragende Charaktere dargestellt haben. Oft half ihnen dabei die
Arbeit an Theatern, wo sie indirekt auch eine Art Schauspielausbildung
bekamen.
Wenn man wirklich herausragende Arbeit in diesem schwierigen Beruf
leisten will, dann kommt man um eine gute Schauspielschule eigentlich
nicht herum. Die Betonung liegt auf gute, denn auch hier gibt es
Unterschiede. Vielleicht wäre ein Praktikum an einem Theater nicht
schlecht zur Orientierung, denn auch wenn man zum Film möchte, ist
Theater eine hervorragende Basis.
Vorsicht: Wenn es dann darum geht, einen Job zu bekommen, ist
Sorgfalt bei der Wahl der Agentur angebracht! Mehr dazu im Movie-College
unter „AgEnten“...