Besonders in Zusammenhang mit Mikrofonen halten sich Wahrheiten und
Halbwahrheiten in einem Schwebezustand. Viele Behauptungen sind unzutreffend
und manche dieser falschen Behauptungen kosten viel unnötiges Geld oder
erzeugen überflüssige Fehler.
Räumen wir doch mal ein wenig damit auf:
Die Riesenteile, vor denen die Popstars in ihren Videoclips eine „Studioaufnahme“
einspielen können tiefe Frequenzen viel besser aufnehmen, als kleinere
Mikrofone.
Unsinn! Wichtig ist die Kugelcharakteristik, nicht die Bauform des
Mikrofons. Auch winzige Mikrofone können, wenn sie denn Kugelcharakteristik
haben, ganz präzise tiefe Frequenzen aufnehmen. Aber es ist ein wenig wie
mit den Autos, so ein optisch beeindruckendes Großmembran Mikrofon macht
einfach mehr her.
Außerdem neigen die Großmembran Mikrofone aufgrund ihrer Bauweise zu
gewissen Fehlern, d. h. Klangverfärbungen, die ihnen eine Verfremdung
der realen Frequenzen, von manchen auch als „Sound“ empfunden, geben.
Fazit: Es muss also nicht unbedingt so ein Luxus-Teil sein, ein
gutes Kugelmikro liefert die gleiche Klangqualität! Wichtig ist zudem die
optimale Positionierung.
Shotguns, in vollmundigen Werbeprospekten auch gerne Tele-Mikros genannt,
holen entfernte Töne näher ran.
Unsinn! Der Schall (Sprache, Musik etc.), der aus einer bestimmten
Entfernung auf ein Richtmikro auftrifft, wird von diesem mit der gleichen
Intensität aufgenommen, wie von einem Mikro mit Kugelcharakteristik.
Es ist nicht wie bei einem Teleobjektiv, dass der entfernte Schall näher
rangeholt würde.
Die Wirkungsweise der Richtmikros unterdrückt lediglich den Schall aus
anderen Richtungen, sodass andere Signale, Störgeräusche von hinten oder
den Seiten schwächer aufgezeichnet werden.
Also: Bei Aufnahmen am Drehort nicht meinen, man könne mit dem Richtmikro
größeren Abstand von den Schauspielern halten. Bitte nicht glauben, ein
teureres Richtmikro könne Wunder wirken!
Fazit: Das größte Wunder lautet: Immer so nahe wie möglich ran
und sauber angeln!
48 Volt Phantomspeisung ist besser als 12 Volt Tonaderspeisung!
Unsinn! Beide Verfahren haben Vor-, und Nachteile.
Tonadergespeiste Mikros kann man problemlos an einen unsymmetrischen
Eingang anschließen. Außerdem wird weniger Strom verbraucht, da die meisten
portablen Mischpulte, Videorekorder, Tonbandgeräte oder DAT-Rekorder mit ca.
12 Volt Akkuspannung betrieben werden, kann man damit problemlos das
Tonadermikro versorgen.
Für 48 Volt Phantomspeisung muss erst durch einen Spannungswandler alles
auf 48 Volt gewandelt werden, wobei viel unnötige Energie verloren geht.
Phantomspeisung ist sehr empfindlich bei nachlassendem Strom. Darunter leiden
die Aussteuerbarkeit und der Klang. Bei
Versorgung über ein Netzteil muss die Siebung, das heißt der elektronische
Schaltungsaufwand, nicht so groß sein wie bei Tonaderspeisung.
Dynamische Mikros (=Mikros ohne Phantom- oder Tonaderspeisung) lassen sich
problemloser an einen phantomgespeisten Eingang anschließen. (Bei
Tonaderspeisung muss man in diesem Fall die Stromversorgung abstellen
können.)
Fazit: Auch wenn Tonaderspeisung bei den neuesten Geräten nicht
mehr anzutreffen ist, sie ist genauso gut wie Phantomspeisung. Was bedeutet
dies für unseren Geldbeutel?
Man kann sorglos Mikrofone mit Tonaderspeisung gebraucht (und günstiger
als phantomgespeiste) kaufen. Für die Stromversorgung gibt es Batterieteile
oder Adapter von Phantom- auf Tonaderspeisung.
Je kleiner, desto feiner!
Unsinn! Nicht nur die aerodynamische Außenform des Korbes, sondern
auch die Menge der im Korb eingeschlossenen Luft, die um das Mikrofon herum
ist, spielen eine wichtige Rolle. Jeder Korbwindschutz verschlechtert den
Frequenzgang und die Richtwirkung! Bei
einem großen Korb sind die Nebenwirkungen geringer, als bei einem kleinen
Korb. Damit erklärt es sich vielleicht auch, warum diese Dinger meist so
unförmig und groß sind!
Fazit: Beim Korbwindschutz sollte man nicht am falschen Ende
sparen. Die Profi-Windscreens lohnen sich in jedem Fall. Versuche, so etwas
selbst zu bauen, scheitern nicht nur an der Materialverarbeitung, sondern
auch am fehlenden geräuschlosen Windkanal, um Form und Größe zu
optimieren! |