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EröffnungZum ersten Mal fand die Eröffnungsveranstaltung des Münchner Filmfests im Matthäser-Kino statt und der wie immer bunte Mix aus Filmbranche, Politik, Stars und Sternchen drängte in den (warum so wenige Eingänge?) Kinosaal.
Der neue Festivalchef Andreas Ströhl der sich die vermutlich schlafarmen letzten Wochen vor dem Filmfest-Start kaum anmerken ließ, präsentierte sich anders als sein Vorgänger weniger als Zentralgestirn des Münchner Festivalhimmels, denn als zugleich bewahrender als auch erneuerungswilliger Chef eines bewährten Organisationsteams. Die etwa 200 Filme der kommenden Woche seien "Lieblingsfilme", ausgewählt aus über 2000 gesichteten Streifen. "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" eine filmische Hypothese zur Entstehung des gleichnamigen Gemäldes von Vermeer bildete den Auftakt des diesjährigen Filmmarathons. Die von Licht, Motiven und Farben her brillant gestaltete Hommage an die Sinnlichkeit der Malerei, schaffte es in visuell starken Bildern ohne viele Worte, die Renaissance lebendig werden zu lassen. Dramaturgisch konnte der Film diese Stärken nicht durchgehend aufweisen, als Gesamtwerk aber war es gelungener Auftakt zu einem Festival des Sehens. Beim anschließenden Empfang im Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz herrschte bei sommerlichen Temperaturen eine gelöste Atmosphäre, ein gelungener Start. VeranstaltungenNeben den zahlreichen Filmen bietet das Filmfest München fachspezifische Diskussionen, Symposien, Panels, Publikumsgespräche mit Regisseurinnen/Regisseuren und Ehrengästen, Ausstellungen, Filmmusik- Konzerte, sowie Branchentreffs, Premierenfeiern und andere gesellschaftliche Events. Für Profis und Nachwuchs gleichermaßen interessant. Mehr unter Veranstaltungen. Dazu gehören auch die Gespräche in der Black Box, wo u.a. Sir Alan zu Gast sein wird, und die kostenlose Open-Air-Reihe, die diesen Sommer dem Thema Surfen gewidmet ist. Dabei werden im Hof des Gasteig sieben Surffilm-Klassiker gezeigt. Wer ein wenig Zeit übrig hat, sollte sich unbedingt die Fotoausstellung über Münchner Kinogeschichte im ersten Stock des Gasteig anschauen. Empfänge
Wenn es sich schon in den Gängen des Gasteig oder des Forums am Deutschen Museum nicht drängelt, so wenigstens bei den verschiedenen Empfängen der Medienbranche. Dabei treffen sich die verschiedensten Lager jeweils im Forum, Gasteig oder benachbarten Lokalitäten um sich an den im Festival platzierten Filmen zu erfreuen oder auch einfach nur eine Gelegenheit zum Wiedersehen zu bieten. Besonders wohl fühlte man sich mal wieder beim arte-Empfang, steht doch der Sender als letzte Bastion des anspruchsvollen Programms, ein Bollwerk, welches Freude macht und für immer mehr Menschen die beinahe einzig verbleibende Rechtfertigung zum Besitz eines Fernsehgerätes darstellt. Ja und irgendwie sind sich alle bei den diversen Gesprächen einig, dass es eigentlich nicht noch tiefer hinab gehen kann mit den übrigen TV-Kanälen, doch der Schein trügt, man arbeitet bereits emsig daran auch das derzeitige Niveau noch tiefer zu legen. Gleichzeitig freut man sich, dass es dieses Jahr tatsächlich den einen oder anderen deutschsprachigen Film gibt, der es Wert ist, auf einem solchen Filmfestival zu laufen, ein gutes, wenn auch noch sehr dünnes Signal. Diskussionsrunden
Im ersten Stock des Gasteig hat man eine kleine Bühne aufgebaut, dort wird mehrmals am Tag diskutiert, über den Film an sich, über Finanzierungen, Qualitätsprobleme, über Zukunft und Vergangenheit. Die zum Teil hochkarätigen Podiumsteilnehmer bemühen sich, den Fragen des Publikums gegenüber offen zu sein. Wo hat man schon Gelegenheit, so direkt mit Regisseuren, Schauspielern, Produzenten in Kontakt zu kommen? Wenn es um den deutschen Film geht, kommen die kritischen Töne eher von Uli Maaß, dem Programmer der deutschen Reihe des Filmfestes, der völlig zu Recht einmal mehr einfordert, es müssten endlich wieder Kinofilme ohne Fernsehbeteiligung entstehen, damit die unerträglichen Formatierungen fernsehgewohnter Erzählmuster nicht jedem Kinoversuch übergestreift werden. Weitere Veranstaltungen finden auch in der Black Box des Gasteig sowie im Forum des deutschen Museums statt. FFF-EmpfangAuf der Praterinsel unter dem goldenen Baumhaus-Wohnwagen von Herrn Flatz traf sich die bayerische Film- und Medienszene einmal mehr zu ermutigenden Worten und kulinarischer Aufmunterung. Dass mit den Begrüßungsreden auch ein Dauerregen einsetzte, sorgte für höhere Aufmerksamkeit und mehr Nähe unter den Gästen, die sich schutzsuchend unter den Sonnenschirmen drängten. Man wolle die bayerische Filmlandschaft dennoch nicht "im Regen" stehen lassen, so die Botschaft auch der Staatskanzlei und weiterhin die Förderbudgets aufrecht erhalten. Zu Recht forderte Klaus Schaefer eine Sonderbehandlung der Produzenten hinsichtlich des Verlustvortrages, ohne welche zahlreiche Firmen dem sicheren Konkurs entgegensehen. Bei den Gesprächen war das pflichtgemäße Lächeln hier und da vielleicht noch etwas bemühter, immer mehr Kollegen aus der Branche empfinden den Abstieg der Tv-Programme als schmerzlich und staunen, wie wenig es heutzutage bedarf, um zu Festival- Ehren zu gelangen. Hier und da gibt es Stimmen, die eine erste Erholung in der Medienkrise erspürt haben wollen, es wäre schön, wenn aus dem Erspüren Realität werden könnte. Dokumentarfilmpreis
Zum zweiten Mal hat der Bayerische Rundfunk einen Dokumentarfilm-Preis ausgeschrieben, der im wesentlichen in der Realisierungsmöglichkeit eines von einer Jury und nicht wie sonst üblich einer Redaktion, ausgewählten Dokumentarfilmthemas besteht. Preisträger ist der Hamburger Dirk Laabs mit seinem Projekt "Die Fremden im Paradies - Warum Gotteskrieger töten". Der Film soll sich mit Selbstmordattentätern beschäftigen und wird mit einem Produktionsbudget von maximal 140000 Euro ausgestattet. Jurymitglieder waren Dr. Thomas Weymar (Vorsitz), Prof. Dr. Gerhard Fuchs, Mareike Schroeder, Prof. Manfred Heid, Thomas Kufus, Jan Rofekamp sowie Eckhart Schmidt. Die Entscheidung wurde einstimmig getroffen und leidenschaftlich von Manfred Heid vorgestellt, man darf gespannt sein, wie nah der Preisträger seinem schwierigen Thema kommen wird. Fox-Kids Award
In die Reihe der vielen verliehenen Preise des Münchner Filmfests gliedert sich auch der undotierte Preis des Kinderfilmfests, der per Abstimmung nach jeder Vorstellung (durch die Kinokarten-Bewertung per Einwurf als Sehr gut, Gut oder Mittel) von den Zuschauern vergeben wird. Auch in diesem Jahr waren die Vorstellungen des Kinderfilm-Festivals bestens besucht, man kann also von einem repräsentativen Ergebnis dieses Publikumspreises sprechen. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an den deutschen Kinderfilm "Der Dolch des Batu Khan" von Günter Meyer. Die zweitmeisten Stimmen konnte der iranische Kinderfilm "Der kleine Vogelnarr" von Rahbar Ghanbari auf sich vereinen. Neben den beiden genannten feierten vier weitere Kinderfilme während des Festivals ihre Münchener Uraufführung. Damit auch die Verleihung für die Kinder zu einem richtigen Fest wird, wurden Süßigkeiten und Eis an die jungen Zuschauer verteilt. Festivalleiter Andreas Ströhl bedankte sich bei Hans Strobel und seinen Mitstreitern für die hervorragende Arbeit rund um die Durchführung des Kinderfilmfests. Wer die leuchtenden Gesichter der jungen Kinobesucher gesehen hat, kann sich diesem Dank nur anschließen. |
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